Otu - Kamerun
8.02.2006 - 15390 Kilometer ab San Felice de Circeo / Italien


Die kleine Grenzstation empfängt uns reserviert, aber freundlich. Ein verwundeter Zöllner erzählt von einem Überfall in der vorangegangen Nacht. Der Schreck sitzt ihm noch in den Gliedern. Bei der nächtlichen Heimfahrt wurde das Fahrzeug der Grenzbeamten blockiert, sie wurden mit Waffen-gewalt gezwungen alles von Wert auszuhändigen. Handys, Geld, Schmuck und Waffen.
Einem Zöllner wurde bei diesem Überfall die Nase mit einer Machete abgetrennt, der Erzählende selbst kam mit einer großen Platzwunde am Hinterkopf davon. "Achtsam in Kolonne reisen und bei Nacht eine sichere Unterkunft suchen" war sein Rat. Uns war leicht unwohl.

8.2. Mampfe - 15460 km
Hotel California - GPS: N 5° 43,982' E 9° 18,762'

Chaotischste Pistenverhältnisse sind nun zu überwinden. 40 Kilometer erstreckt sich die Fahrt auf einer ausgefahrenen, glücklicherweise fast getrockneten Schlammpiste in Richtung Mampfe. Hier und da dennoch ein tiefes Schlammloch, wo es letztlich auch einen von uns erwischt. Hans sitzt fest. Das Chaissi liegt auf, die Räder hängen in der Luft. Andreas seine Winde kommt zum Einsatz und wir ziehen Hans seinen Jeep aus dem Schlamm (1. Bild rechts). Wir fragen uns, ob diese Piste in der Regenzeit überhaupt passierbar ist.
Bilder links:
40 Kilometer Schlammpiste nach Mampfe
Bilder links:
Traumhafter Regenwald mit Flusslandschaft zwischen Otu
und Mampfe
Am frühen Abend treffen wir in der kleinen Stadt Mampfe ein und stoppen bei dem einzigen Hotel im Ort. Hotel California, eine Unterkunft, welche nichts mit europäischen Standart zu tun hat. Kleine, extrem muffige Zimmer, mit sanitären Einrichtungen, welche sehr zu wünschen übrig lassen. Verpflegung nur auf Bestellung, da es keine Warenvorräte gibt. Unsere zwei Spanier, welche uns seit wenigen Tagen begleiten, dürfen aufgrund der hiesigen Sittenvorstellung kein gemeinsames Zimmer teilen und müssen somit zwei Zimmer buchen.

Bei selbst gekochten Spagetti und Rotwein plaudern wir über die ersten Eindrücke von Kamerun. Ein sehr schönes und grünes Land, mit faszinierenden Wäldern und Flüssen, welche sich durch die grüne Pracht winden.

9.2. Bamenda - 15610 km
Dallas International Hotel - GPS: N 5° 57,804' E 10° 07,877'

Nach Mampfe kurzzeitig ähnliche Pistenverhältnisse wie am Vortag, gesäumt wiederum von Regenwald, Bächen und Flüssen (2. und 3. Bild rechts). Die Fahrt geht in das Hochland von Bamenda. Die Piste wird besser und schlängelt sich nun durch fantastisch grüne Berge und Täler, höher und höher bis über 2000 Meter. Das Klima wird angenehm kühl, die Temperaturen liegen bei ca. 20 Grad. Leider ist die Sicht durch die Regenwolken sehr beschränkt.
Bilder links:
Flusslandschaft zwischen Mampfe und Batibo.
Bilder links:
Piste durch
Täler und Berge mit dichtem Regenwald zw. Batibo und Ba-menda.
Vor Bamenda Asphaltstraße. Endlich, die Kilometer der letzten zwei Tage haben sehr viel Kraft geraubt. Bamenda selbst, eine quirrlige Stadt, mit guten Versorgungsmöglichkeiten. Das Dallas International Hotel, welches wenig mit einem International Hotel zu tun hat, ist jedoch weitaus besser als das Gestrige. Dennoch wird auch hier das Abendessen improvisiert. Wir freuen uns auf eine angenehme kühle Nacht.

10.2. Nkongsamba - 15810 km
Fere Hotel - GPS: N 4° 57,684' E 9° 55,514'

Wir kümmern uns um Geldwechsel in Bamenda. Wolfgang benötigt über eine Stunde für die Auszahlung der Travelerschecks. Andreas, versucht etliche Geldautomaten, gibt letztlich auf und tauscht auf dem Schwarzmarkt. Also nichts mit zeitiger Weiterfahrt, um die Mittagszeit fahren wir Richtung Bafang.

Wir kommen auf der guten Asphaltstraße sehr schnell voran. Die vielen Meter, welche wir gestern mühevoll herauf gefahren sind, fahren wir nun wieder herab. Leider ist die Sicht weiter wegen der Wolken versperrt, nur ab und an zeigt die schöne bergige Landschaft ihr Gesicht.

Bilder links:
Momentaufnahmen Ortschaft Bafang
Bafang ist schnell erreicht und wir beschließen bis Nkongsamba weiterzufahren. Hotels haben wir bisher in jeder Ortschaft gesehen und so wird sich auch in Nkongsamba etwas finden. So soll es auch sein, wir finden ein sehr gutes und gepflegtes Hotel, mit ebenfalls gepflegten Preisen. Nachdem wir dem Rezeptio-nisten klar machten, dass wir nur einfache Touristen sind, wurden uns auch die bezahlbaren Zimmer gezeigt. Unsere zwei spanischen Jungs hatten zum wieder-holten mal in Kamerun die Auseinandersetzung wegen dem Doppelzimmer und mussten zwei Einzelzimmer belegen. Gegen ein kleines Endgeld wollte der Hoteleigentümer ein Auge zudrücken und die Spanier hätten in einem Doppel-zimmer schlafen können, jedoch müssten dennoch die zwei Einzelzimmer zahlen!?

11.2. Nähe Limbe (ehemals Victoria) - 15990 km
Mile 6 Beach - Camping - GPS: N 4° 00,770' E 9° 07,081'

Weiter geht die Asphaltstraße bis Loum. Von dort biegen wir auf die Piste Richtung Kumba. Die Asphaltstraße von Kumba Richtung Buea und Limbe, ein Graus. Zwischen dem streckenweise mit Schlaglöchern überhäuften Asphalt wieder schlimme Pistenverhältnisse mit sandigen und steinigen Hindernissen. Der Mt. Cameroun versteckt sich hinter den Wolken. Wir bereuen diese Straße gefahren zu sein.

Limbe, eine hübsche, kleine, übersichtlich Stadt. Vom Fischmarkt erblicken wir ein wundervolles Panorma auf die hügelige Vulkanlandschaft. Die Fischer bieten zahlreiche Arten uns unbekanter Fische zum Kauf an. Wir fahren weiter durch die Stadt Richtung Küste. Uns erwartet schwarzer, herrlicher Sandstrand mit vereinzeltem Lava-gestein.
Bild oben:
Schwarzer Sandstrand Limbe

Bilder links:
Fischerhafen Limbe
Auf dem sehr einfachen Campingplatz Mile 6 Beach schlagen wir unsere Zelte auf. Es ist Wochenende, der Strand ist sehr bevölkert und wir als Weiße fallen bei diesem schwarzen Strand mit der schwarzen badenden Bevölkerung besonders auf. Das Meer ist warm, bietet kaum Abkühlung. Zwar wird uns von anderen Travelern erzählt, dass es hier bisher seit Tagen jede Nacht regnete, jedoch nehmen wir diese Erzählung nicht so ernst. Sehr dumm! - stellten wir mittels in der Nacht in einem überschwemmten Zelt fest.



12./13./14.2. Duala - 16080 km
Evang. Mission - GPS: N 4° 00,770' E 9° 07,081'

Nachdem wir völlig durchnässt am Morgen aufwachten beschließen wir vorzeitig nach Duala zu fahren. Die Ersatzteile für das Dachzelt müssten die Tage bei DHL in Duala eintreffen. Weiter möchte die Spanier die Verschiffung ihres Fahrzeugs von Duala nach Spanien abklären.

Zeit bleibt für einen kurzen Blick auf den in Re-genwolken verhangenen Mount Cameroun. Der jüngste Lavastrom endet 100 Meter vor der Küste. Die Straße wurde von diesem Lavastrom zerstört und endet nun mittels im Geröll. Gigantische Lavamassen lassen die ungeheuren Naturkräfte erahnen.
Duala, groß, hektisch, anstrengend. Die in den Reiseführern genannten Missionen sind zwar schön, aber belegt, Vorausbuchung ist erwünscht und notwendig. Nach sehr vielem Fragen finden wir eine ebenfalls schöne Evangelische Mission. Schöne Parkanlage, geräumige Zimmer und Gemeinschaftsküche zu bezahlbaren Preisen.







Bilder oben:
Küstenblicke Nähe Limbe
Die Erstatzteile werden erst am Dienstag ein-treffen, so beschließen Andreas und ich, noch-mals allein die Gegend um Limbe zu erkunden. Wir fahren die paar Kilometer wieder Richtung Limbe und biegen am Fischmarkt südöstlich auf eine in der Karte zu erkennende Landzunge. Die Strecke lohnte sich, wir finden eine paradiesische Land-schaft mit schwarzen Sandstränden. Ein Ein-wohner erzählt von seiner kleinen Pension und ein weiterer über historische Geschichten einer kleinen anliegenden Sklaveninsel.

Mit neu getankter Kraft und schönen Eindrücken kehren wir nach Duala zurück und beschließen mit Wolfgang in einer wenig entfernten Bar einzu-kehren. Mit typischen Touristendenken, Geld und Pässe im Hotel zu lassen, laufen wir los. Nur wenige Meter. Wir werden von drei Polizisten angehalten und nach den Pässen gefragt. Sie blasen sich fürchterlich auf - ohne Pässe unter-wegs? Dies bedeute 24 Stunden Arrest mit an-schließender Klärung! Knallhart zeigen sich die Jungs, keine Spur von Freundlichkeit in ihren Gesichtern oder Worten. Im Gegenteil, sie unternehmen alle Anstalten um uns zu verängs-tigen. Was sie wollten war klar. Geld. Wolfgang nennt dies beim Namen und sagt "Solche Banditen" ohne sich bewusst zu sein, dass das Wort Bandit wohl in mehreren Sprachen gleich ist. Wenige Sekunden nach dem rausgerutschten Banditen sitzen wir in einem von der Polizei ange-haltenen Taxi Richtung Polizeistation. Wolfgang hat die Verhandlung um den Preis unserer un-behelligten Rückkehr ins Hotel somit in die Höhe getrieben. Andreas redet wie mit Engelszungen, das Taxi mit dem verstörten Taxifahrer hält an, und Andreas wird ins Hotel geschickt um Geld zu holen. 80 Euro diese Aktion - eine Menge Barbesuche!
Die Ersatzteile für das Zelt sind angekommen. Wir quälen uns in der Hitze mit der Reparatur. Morgen möchten wir so schnell wie möglich Duala wieder verlassen. Am Abend sitzen wir in gemütlicher Runde und verabschieden uns von den Spaniern Miguel und Roberto, welche eine Schiffsverbindung für eine Container-verladung ihres Jeeps nach Tanger gefunden haben. Wolfgang hat in Duala sein Auto verkauft, besser verschenkt für 500 Euro und dem Zollstempel im Carnet. Er wird weiter mit Hans und uns nach Yaounde und später nach Gabon fahren. Hans freut sich schon auf die gemeinsame Reise :-)


15./16./17.2. Yaounde - 16570 km
Protestantische Mission - GPS: N 3° 52,785' E 11° 31,338'

Auf zur nächsten Großstadt. Diesmal ein Muss wegen der Visen Gabon, Congo und Demokratische Republik Congo. Für das Gabonvisa werden zwei Tage veranschlagt für die beiden Congos jeweils ein halber. Unsere Unterkunft eine Protestantische Mission in einem von außen schönen und interessanten Klinker-haus. Von innen für meine Augen wenigstens noch interessant, jedoch nur für künstlerische Fotografie. Nachdem unser Dachzelt jedoch endlich repariert ist freuen wir uns sowieso auf unser bequemes Bett im Zelt und schlagen die Krankenhausbetten der Mission aus.

Andreas ist fasziniert über das Angebot der Supermärkte. Kiloweise Rinderfilet zu kaum nennenswerten Preisen, Obst, Gemüse, alles was das Herz (sein Herz) begehrt. Drei Abende zaubert er wie immer fantastische Essen. Die Tage ver-bringen wir weiter mit Botschaftengängen und kleineren Wartungsarbeiten am Auto für die Weiterfahrt nach Gabon.

Nach drei Tagen Warten auf Visen geht es nun weiter. Problemlos und zügig verlaufen die Ausreiseformalitäten in der Grenzstadt Ambam.

Sonstiges: Von einer englischen Reisegruppe wird uns eine ähnliche Geschichte mit Spazieren ohne Pass erzählt. Hier hat es jedoch 4 Leute richtig erwischt. Sie saßen eine Nacht und einen halben Tag im Gefängnis, die Pässe lagen bei der Gabon-Botschaft für die Visen. In diesen Stunden kein Essen, Trinken … keine sanitäre Einrichtungen. Nachdem die englische Botschaft sich für sie einsetzte kamen sie wieder auf freien Fuß.


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