Botswana - Ngoma
7.12.2006 - 31170 Kilometer ab San Felice de Circeo / Italien
Gerade die namibianische Grenze überschritten, stehen wir vor einem Veterinärcheckpoint! Lächelnd teilt uns eine dicke schwarze Beamtin mit, keinerlei Wurst- und rohe Fleischwaren dürfen aufgrund Angst vor Maul- und Klauenseuche nach Botswana eingeführt werden. Die Augen vom Feinschmecker Andreas werden immer größer! In Namibia, vor 70 km, kaufte er die herrlichsten Shilonstecks, Rinderfilets, Rumpsteaks und schon für das Grillen vorbereiteter Bauchspeck.

Die Dame bittet nun den Kühlschrank zu öffnen. Andreas, kurz vorm ausflippen, zwingt sich ruhig und nett zu bleiben. Eine nach der anderen Wurst wandert in die Hände der dicken Beamtin (sie wird wohl schon öfters abgesahnt haben). Missmutig packt er jetzt den Bauchspeck und die obersten Steaks. "Das ist alles", die Beamtin wird es sowieso nicht schaffen über den Kühlschrankrand zu schauen. Und wie er ihr die Fleischwaren geben will, fällt ihm ein, "war da nicht die Rede von rohem Fleisch?" "Ja. Natürlich können Sie es garen und mitnehmen", grinst die Beamtin, konnte sie ja nicht ahnen, dass Andreas unsere Küche auspackt und wirklich zwischen den beiden Grenzposten anfängt unsere Steaks zu braten!

7.12.06 - 31280 Kilometer ab Circeo - Chobe Nationalpark - Savuti Campsite

Die Straße entlang der namibianischen Grenze in Richtung Chobe Park ist in einem schlechten Wellblechzustand. Das Auto wird durchgerüttelt und wir kommen nur langsam vorwärts. Rings um uns Zerstörungen der Waldbestände durch Elefanten. Entlang und auf der Straße etliche große Haufen mit Elefantenkacke. Hunderte dieser Tiere müssen in dieser Gegend leben.
Nach ca. 40 Kilometern Wellblech, fast zweistündiger Fahrt und ein paar kleinen Dörfern hört die Straße auf und es beginnt Piste durch tiefen sandigen Boden. Ab und an ein kleiner Regenschauer, welche aber den Vorteil mit sich bringen, die sandige Piste zu festigen. Dies macht sich auch ein großer Mistkäfer zu nutze, welcher emsig seine schneeballgroße Kackekugel über die Piste rollt.

Zum späten Nachmittag erreichen wir den Chobe Nationalpark. Der Eintritt für die Parks in Botswana ist, im Gegensatz zu anderen afrikanischen, teuer. Für Ausländer wird der zwölffache Preis als für Einheimische veranschlagt. Eineinhalb Stunde bis zum Camp, wir müssen uns beeilen, damit uns die Dunkelheit nicht vor dem Camp erreicht.

Nach einer Kurve steht plötzlich eine Elefantenherde auf der Piste. Wir und die noch jungen männlichen Tiere sind erschrocken. Während die anderen Elefanten sich im Dickicht verstecken, bleibt einer von ihnen stehen und demonstriert uns wir groß und kräftig er sich fühlt. Er wirft den Kopf hin und her, die großen Ohren und der kräftige Rüssel wirken bedrohlich. Unterstützt wird diese Geste mit kräftigen trompeten. Mir wird unbehaglich. Ich habe die Befürchtung, dass der noch unerfahrene, ängstliche und tobende Elefant das Auto angreifen könnte und dränge Andreas immer wieder, letztlich sehr energisch, zur Weiterfahrt.

Mir sitzt der Schreck noch in den Gliedern, und nun steht wenige Kilometer ein weiteres großes Tier an einer Wasserstelle. Andreas will diesen Elefanten filmen, steigt aus, springt aber sofort wieder in das Auto. Die Drohgebärde von dem kleinen Elefanten sah wirklich noch lustig aus, im Gegensatz zu der jetzigen Drohgebärde dieses Einzelgängers. Schnellen Schrittes läuft er auf uns zu, bleibt wenige Meter vor dem Auto stehen. Er beginnt den Kopf zu schleudern, mit den Vorderbeinen zu stampfen. Wütend demonstriert er seine Kraft indem er einen Termitenhügel niederreißt und einen Baumstamm knickt. Andreas bleibt stur stehen und ruft "Jetzt fotografier doch endlich!"

8.12.06 - 170 km - 31450 km ab Circeo - Bushcamp 50 km vor Maun

Das Savuti Campsite ist jedeglich ein hübsch angelegter Platz ohne weitere Faciliti. Kurz vor sieben Uhr starten wir die weitere Fahrt durch den Park. Überall zahlreiche Antilopenarten, an den Wasserlöchern etliche Vogelarten, unter anderem auch Komerane.

Um die Mittagszeit ein herrliches Schauspiel. Tausende Zebras, überall, bis zum Horizont. Zwischen ihnen stapfen an die hundert Dickhäuter. Der Anblick dieser großen ziehenden Herden in dieser weiten Buschsavanne ist überwältigend und wird uns wohl ewig in Erinnerung bleiben.



Wir nähern uns dem Ausgang des Parks. Ein wenig enttäuscht. Trotz der ganzen Nationalparks, welche wir durchfuhren, haben wir bisher keine Löwen gesehen. Kaum sprechen wir es aus, sehe ich etwas, farblich nicht ins Bild passende, unter einem Baum. Andreas glaubt nicht mehr daran hier einen Löwen aufzuspüren, erst recht nicht auf die weite Entfernung, wo ich einen zu sehen glaubte. Ich beharre jedoch umzukehren. Nicht einem Auto sind wir heute begegnet, also die Gefahr beim Verlassen der Piste erwischt zu werden gering. Dieses Etwas was ich sah, bewegt sich nicht, erst als wir wirklich nah an diesem sind, erkennen wir, es ist wirklich ein Löwe! In den Büschen, im Schatten versteckt, weitere.

Die Löwen lassen sich durch unsere Anwesenheit nicht weiter stören. Ab und an werfen sie uns einen bösen Blick zu, bleiben jedoch faulenzend in der heißen Sonnenglut liegen.


Auch nach dem Ende des Nationalparks, immer wieder Elefantenherden. Unser Bushcamp suchen wir 50 km vor Maun. Nachdem wir einer kleinen Piste durch hohe Sträucher folgen, gelangen wir in ein großes offenes Waldgebiet. Ein schöner Platz zum campen, aber nach Anbruch der Dunkelheit der reinste Horror aufgrund der millionen kleinen Käfer, welche sich durch unser Licht angezogen fühlen. Überall Käfer! Sie fliegen und krabbeln zu Scharen, selbst die Tastatur des Laptops ist nicht mehr brauchbar, weil die Tiere unter die Knöpfe kriechen. Also wir sind ja vieles gewohnt, aber heute reicht´s! Wir gehen zeitig ins Bett.


9.12.06 - 350 km - 31800 km ab Circeo - Bushcamp Ntwetwe Pan
GPS: S 20° 38,460'  E 25° 12,935'

Aufgrund bisheriger Pistenerfahrungen in Botswana und auch Schilderungen anderer Reiseberichte entschließen wir nicht in den Kalahari Nationalpark zu fahren. Um dennoch einen Blick auf die Salzseen werfen zu können, planen wir eine Tour zum Ntwetwe Pan. In Maun decken wir uns neu mit Lebensmitteln ein, achten diesmal jedoch auf die in der Karte eingezeichneten Veterinärzäune und packen Wurst und Fleisch im Kühlschrank ganz nach unten.

Die sandige Piste durch Buschsavanne ab Gwet zum Ntwetwe Pan ist schwer zu finden. Überhaupt ist die Beschilderung von Straßen und Pisten in ganz Botswana kaum vorhanden. Ohne GPS und dem nötigen Kartenmaterial ist ein Umherirren vorprogrammiert.
Der in der Karte als sehenswert eingezeichnete Chapman´s Baobab, ist wirklich einen Abstecher wert. Wir stehen staunend vor dem ungeheuer großem Baobab. Weiter fahren wir zu Jack´s Camp, welches jedoch keine Camper aufnimmt. Das Restaurant wird für einen Touristenbus vorbereitet. Das Highlight der Blick auf einen Salzsee, wo die Tiere zum Trinken kommen sollen.
"Ah, Tiere kommen zum Trinken?", Andreas schaut fragend den Oberkellner an, "Der See ist doch aber trocken?" Der Kellner: "Ja, ja, immer um diese Zeit. Die Reisebusse kommen dennoch." Erschreckend wie auf gut Deutsch die Touristen verarscht werden! Ein Nobelrestaurant in der Sandwüste für Touristenabzocke.

Gut, wo aber jetzt schlafen? Auf der Karte sehen wir eine eingezeichnete Insel im Ntwetwe Pan. Was auch immer das ist, wir werden dort unser Camp aufschlagen! Die Piste führt zum Salzsee und laut Karte die Piste mittendurch. Wir fahren in den trockenen See, links, rechts, vor uns - Nichts! Nur der trockene, ebene Boden. Kilometerweit. Ein schönes, unheimliches, eigentlich unbeschreibliches Gefühl. Plötzlich ist der vermeintlich trockene Boden, gar nicht mehr trocken. Das Auto fängt an auf Schlamm zu schlieren, singt tiefer. Andreas gibt Vollgas, Schlammflocken fliegen rings um uns. Jetzt ist auch dieses unheimliche Gefühl erklärbar. Wir sind hier komplett den Naturgewalten ausgeliefert und wenn wir nicht bald festes Boden erreichen, können wir wohl Tage warten, bis der See komplett ausgetrocknet ist. Falls es nicht wieder regnet! Wir sehen die Insel, eine kleine Anhöhe. Je näher wir dieser kommen, desto trockener wird zu unserer Freude der Untergrund.
1. Foto:
Piste durch den Ntwetwe Pan

2. Foto:
Blick von der Insel Gabasadi über den Pan
Unheimliche Besucher in der Nacht!
Da stehen wir nun auf der Insel, 3 Meter erhöht, vertrocknete Grasbüschel um uns. Bis zum Horizont nur weitere kleine Flächen mit Gras im Nichts. Komisch, das man dieses Ort dennoch als schön empfindet. Nach Anbruch der Dunkelheit vollführe ich eines meiner Lieblingsspiele. Das Licht der Taschenlampe gleitet über die Insel auf der Suche nach reflektierenden Augen. Und da ist auch schon das erste Augenpaar, dann das zweite ... weitere ... wir sind umzingelt! Überall kleine, flinke und vor allen Dingen, neugierige, wieselartige Tierchen. Die weiteren 8-beinigen Tierchen direkt unter dem Tisch, lassen uns sofort anderes Schuhwerk und lange Hosen anziehen. Der fast harmlos aussehende gelbgolde Skorpion, ist einer der giftigsten seiner Sorte. Ohne schnelle Hilfe kann sein Gift tödlich sein. Dieser Platz hier, hat wirklich seinen eigenen Charakter!

10.12.06 - 610 km - 32410 km ab Circeo - Bushcamp Nähe Ghanzi

Die restlichen Kilometer durch den Pan waren glücklicherweise soweit trocken. Kaum den See durchquert wieder ein Veterinärzaun Andreas muss den Kontrolleur erst aus dem Bett holen, bis dieser den Zaun öffnet. Nur sehr selten wird die Piste befahren und bis vor geraumer Zeit stand das Wasser noch bis wenige Meter vor dem Zaun.

Jetzt geht es über die Asphaltstraße zurück über Maun, in grobe Richtung Südafrika. Wir fahren über den Kalahari Highway. Die Kalahari Wüste ist nicht wie von vielen vermutet eine Sandwüste, sondern eine Busch- und Strauchsavanne. Eine einfach nicht enden wollende, langweilige Savannenlandschaft, welche uns noch hunderte Kilometer bevorsteht. Der einzigste Vorteil, durch die Asphaltstraße kann ich nun auch mal tagsüber meiner Laptoparbeit nachgehen.
1. Foto:
Ntwetwe Pan

2. Foto
Veterinärcheck-point
10.12.06 - 490 km - 32900 km ab Circeo - Bushcamp Nähe Mabuasehube Park

Weitere 350 km über den Kalahari Highway.   :-(   Bei Kang biegen wir ab Richtung Tshane in Richtung Mabuasehube Park, Kgalagadi Transfrontier Park. Nach zwei Tagen Asphaltstraße freuen wir uns kurzzeitig über die rote sandige Piste ab Tshane. Kurzzeitig! Die Piste ist nicht gerade im besten Zustand.
(4. und 5. Bild rechts)

Nach 60 km Piste, hinein in die Savanne und Übernachtungsplatz suchen. Wir finden ihn an einem halbwegs hohen Bäumchen, welches uns morgen zum Sonnenaufgang noch etwas Schatten liefern soll. Die Temperaturen schnellen hier von 25 Grad in der Nacht ruck zuck auf über 45 Grad am Tag.

Beim Lagerfeuer sitzend, blicken wir in den weiten klaren Sternenhimmel. Die Stille der Nacht wird durch Hyänengeheul gebrochen. Uns durchfährt ein kurzer Schauer. Eine Antwort auf das ferne Geheul mit Hyänenrufen direkt hinter uns. So wie Andreas sich bei den Elefanten sicher war, so war ich mir jetzt sicher. Die Hyänen werden uns nichts tun. Sie jagen nur kranke oder sehr junge Tiere und haben sowieso Angst vor Feuer.
Bushcamp in der Kalahari Wüste
11.12.06 - 230 km - 33130 km ab Circeo - Bushcamp Nähe Tshabong

Der Toyota quält sich hochtourig über die sandige Piste. Immer wieder zieht es ihn aus der Spur, droht sich festzufahren. Andreas verliert die Lust "Ich will endlich nach Südafrika!" meint er schon fast verzweifelt.

Die Piste grenzt nun am Kgalagadi Transfrontier Park. Seit dem Morgen haben wir außer einer kleinen Gazellenart keinerlei Tiere gesehen. Da der Park nicht von Zäunen umgrenzt ist, hätten wir auch andere Tierarten sehen müssen. Es sei denn, es gibt keine weiter. Wir zweifeln daran, dass der Park für uns überhaupt sehenswert ist. Diese Vermutung wird uns an der Rezeption des Parks bestätigt. Nach den Eindrücken im Chobe Park, wäre dieser Park enttäuschend. Außer dieser Gazellenart gibt es nur weitere Antilopenarten. Sehenswert wären die Dünen, aber diese sind 150 km, eine Strecke, entfernt. Bei den hiesigen Pistenverhältnissen, würde der Park fast zwei Tage in Anspruch nehmen. Wir entschließen uns zur Weiterfahrt, ohne der Parkbesichtigung, in Richtung Grenze Südafrika.

Weiter geht die mühevolle Fahrt mit 20 km die Stunde. Der Grenzübergang Tshabong schließt 16 Uhr. Wir stellen uns darauf ein, noch ein letztes Bushcamp in Botswana suchen zu müssen.
Anstrengende Piste durch die Kalahari. Nach 200 km Wüsten- und Sandpiste küsst Andreas die befestigte Piste.


12.12.06 Grenzübergang Südafrika - Middelpits

Anstatt von unserem Bushcamp Nähe Tshabong zurück zur Hauptstraße in Richtung Grenzübergang fahren, folgen wir einer in der Botswana-Karte eingezeichneten Piste. Diese sollte eigentlich mit einem kleinen Umweg ebenfalls zur Grenzstation führen. Aber es gibt keinen Abzweig! Für uns stellt sich die Frage: Umkehren oder Weiterfahren? Da wir keine Freunde vom Zurückfahren sind, folgen wir der Piste zur Grenzstation Middelpitz. Diese führt direkt an der Grenze Südafrika und dem Kgalagadi Transfrontier Park entlang. Ansatzweise können wir die genannten roten Sanddünen erkennen. Die Landschaft ist sehr hübsch.

Wir merken an der kleinen Grenzstation, dass wir bisher die einzigsten Touristen aus solch enormer Ferne sind. Über alles werden wir mit Interesse ausgefragt, die Fahrt, das Leben in den einzelnen Ländern, auch das Leben in Europa. Mit Staunen wird uns zugehört und man wünscht uns alles erdenklich Gute für die Weiterfahrt.


www.js-travel-photo.com